Kontrollraum planen: Warum die Videowall nur ein Teil der Lösung ist
Eine Videowall beeindruckt auf den ersten Blick – doch sie allein macht noch keinen funktionierenden Kontrollraum. Entscheidend sind ergonomische Arbeitsplätze, intelligente Signalverteilung und eine Planung, die den Operator in den Mittelpunkt stellt.
Kontrollräume müssen heute in Sekundenbruchteilen funktionieren. Entscheidungen werden unter Zeitdruck getroffen, Informationen müssen sofort verfügbar sein und die Technik darf keine unnötigen Hürden schaffen. Deshalb entscheidet nicht die Grösse einer Videowall über die Qualität eines Kontrollraums, sondern das Zusammenspiel von Arbeitsplatz, Technologie und den Bedürfnissen der Operatoren.
Videowall
Eine grosse Videowall wirkt beeindruckend. Entscheidend ist jedoch, ob Operatoren im richtigen Moment die richtigen Informationen erhalten und schnell darauf reagieren können.
In der Praxis zeigt sich immer wieder das gleiche Bild: Eine Leitstelle investiert in eine grosse, technisch hochwertige Videowall mit moderner LCD- oder LED-Technologie. Der Arbeitsplatz der Operatoren erhält dagegen oft deutlich weniger Aufmerksamkeit. Die Folgen sind ungünstige Sichtwinkel, Bedienoberflächen, die eher für Gelegenheitsnutzer als für den täglichen Einsatz konzipiert wurden, sowie Informationswege, die im Ernstfall wertvolle Zeit kosten. Die Videowall sieht beeindruckend aus – der Arbeitsalltag wird dadurch jedoch nicht automatisch effizienter.
Ein Kontrollraum, der konsequent aus Sicht der Operatoren geplant wurde, erkennt man an wenigen, aber entscheidenden Merkmalen. Die Bedienung orientiert sich an den Arbeitsabläufen und nicht an den verbauten Geräten. Wichtige Informationen lassen sich mit wenigen Klicks aufrufen, der Arbeitsplatz ist auf lange Schichten ausgelegt und auch die Zusammenarbeit zwischen Operatoren, Schichtleitung und externen Stellen wurde sorgfältig geplant.
Ergonomie im 24/7-Betrieb
In einer Leitstelle, die rund um die Uhr besetzt ist, gelten andere Anforderungen als in einem klassischen Büro. Die Sicht auf die eigenen Monitore sowie auf die Videowall muss während der gesamten Schicht angenehm bleiben – ohne ständige Kopfbewegungen, ungünstige Körperhaltungen oder störende Blendungen. Die Gestaltung des Arbeitsplatzes entscheidet darüber, ob Operatoren auch nach mehreren Stunden konzentriert arbeiten können.
Ebenso wichtig sind Beleuchtung und Akustik. Zu helles oder zu dunkles Licht erschwert das Erkennen von Bildschirminhalten. Gleichzeitig können Lüftungsanlagen, Gespräche oder andere Lärmquellen die Konzentration beeinträchtigen. Da mehrere Personen denselben Arbeitsplatz im Schichtbetrieb nutzen, sollte sich dieser schnell und einfach an unterschiedliche Bedürfnisse anpassen lassen. So beginnt nicht jede Schicht mit neuen Einstellungen.
Der Arbeitsplatz aus Sicht des Operators
Ein durchdachter Operator-Arbeitsplatz orientiert sich an den tatsächlichen Aufgaben und nicht an der maximal möglichen Anzahl Bildschirme. In vielen Kontrollräumen reichen drei bis vier Monitore vollkommen aus, sofern sie ergonomisch angeordnet sind und die wichtigsten Informationen ohne grosse Kopfbewegungen sichtbar bleiben.
Ebenso wichtig ist eine einheitliche Bedienlogik. Wechselt ein Operator den Arbeitsplatz, sollte keine Umgewöhnung nötig sein. Das erhöht die Sicherheit und reduziert Fehler.
Hier kommt ein KVM-System ins Spiel. Ein KVM-System verbindet mehrere Computer mit einem einzigen Arbeitsplatz. Operatoren können dadurch verschiedene Systeme mit einer Tastatur, einer Maus und ihren Monitoren bedienen, ohne zwischen mehreren Geräten wechseln zu müssen.
Ein weiterer Vorteil: Über das KVM-System lassen sich Inhalte flexibel auf der Videowall darstellen. Benötigt das gesamte Team bestimmte Informationen, können diese mit wenigen Klicks auf die Videowall übertragen werden.
Information zur richtigen Zeit am richtigen Ort
Im Ernstfall zählt jede Sekunde. Die benötigten Informationen müssen deshalb automatisch oder mit einem Klick verfügbar sein. KVM-Systeme übernehmen im Hintergrund die Verteilung der Signale und sorgen dafür, dass die benötigten Inhalte gezielt am richtigen Arbeitsplatz oder auf der Videowall angezeigt werden.
Dabei ist die klare Trennung zwischen persönlichem Arbeitsplatz und gemeinsamer Videowall entscheidend. Auf den eigenen Monitoren befinden sich Detailansichten, Bedienoberflächen und Protokolle, die der jeweilige Operator für seine Aufgabe benötigt. Auf die Videowall gehören hingegen Informationen, die für das gesamte Team relevant sind – beispielsweise Lagebilder, Übersichten oder gemeinsame Statusinformationen.
Wer diese Trennung nicht berücksichtigt, überlädt entweder den Arbeitsplatz mit unnötigen Informationen oder nutzt die Videowall für Inhalte, die lediglich einzelne Personen benötigen.
Kommunikation im Kontrollraum
Operatoren kommunizieren auf mehreren Ebenen – mit Kolleginnen und Kollegen, der Schichtleitung sowie externen Stellen wie Einsatzkräften oder Partnerorganisationen. Diese Kommunikationswege müssen genauso zuverlässig funktionieren wie die Visualisierung. Dazu gehören unter anderem Gegensprechanlagen, Alarmierungs- und Kommunikationssysteme.
Bei Alarmierungssystemen geht es darum, dass relevante Ereignisse zuverlässig und ohne Verzögerung erkannt und an die richtige Stelle weitergeleitet werden. In kritischen Infrastrukturen kommt häufig eine georedundante Auslegung dazu: Die Systeme laufen an zwei räumlich getrennten Standorten, sodass ein Ausfall an einem Ort den Betrieb am anderen Ort nicht gefährdet. Konkrete Anforderungen dazu ergeben sich meist aus den jeweils geltenden branchenspezifischen Vorgaben für kritische Infrastrukturen und sollten projektspezifisch geprüft werden.
Häufige Stolperfallen in der Planung
Ein verbreiteter Fehler ist, die Videowall als erstes und wichtigstes Element zu planen und den Arbeitsplatz erst danach zu betrachten. Damit wird die Reihenfolge verkehrt: Der Arbeitsplatz bestimmt, was die Videowall überhaupt leisten muss, nicht umgekehrt.
Ein weiterer Fehler ist, KVM und Signalverteilung erst am Ende des Projekts zu berücksichtigen. Werden diese Systeme nicht von Anfang an mitgeplant, entstehen später oft aufwendige Kompromisse. .
Und drittens wird die Schichtrealität oft unterschätzt: Eine Lösung, die in einer einmaligen Präsentation gut aussieht, muss sich erst noch im Dauerbetrieb über Monate und Jahre bewähren.
Fazit
Ein gut geplanter Kontrollraum orientiert sich an den Menschen, die täglich darin arbeiten. Wer Anforderungen frühzeitig ganzheitlich betrachtet, schafft eine Lösung, die sich auch im langfristigen Betrieb bewährt.
